2025 Rumänien
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- Geschrieben von: Kriegerpoet
Reiseroute: Deutschland - Tschechien - Slowakei - Ukraine - Rumänien - Moldawien - Rumänien - Ukraine - Slowakei - Tschechien - Deutschland
Vorab wie immer ein paar Mautinfos:
Maut Tschechien 15,15 € für 10 Tage: https://www.vintrica.com/de/e-vignette/tschechien/
Maut Slowakei 10,80 € für 10 Tage (günstiger als Vintrica): https://eznamka.sk/en
Maut Republik Moldau 4 € für 7 Tage: https://evinieta.gov.md/Vignette#step-1
Maut Rumänien 6 € für 10 Tage: https://www.roviniete.ro/de/
Maut für rumänische Donau-Brücken:
Fetești - Cernavodă 3,82€ per PayPal für die einfache Überfahrt: https://www.vintrica.com/de/e-vignette/registrieren/ro/29/
Giurgeni - Vadu Oii 2,20€ Achtung aussschließlich Barzahlung in Landeswährung !!!
Es geht in diesem Jahr, bedingt durch eine selbstgewählte Prüfung, etwas verspätet und noch dazu verkürzt erst im Oktober los, was sich im Verlauf der Tour sowohl als günstig und auch ungünstig erweisen wird.
1. Tag Wittenberg - Gräfenhainichen
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Tja, was für eine Tagesetappe. Der besagten Prüfung geografisch ein bisschen näher gekommen strande ich nach kurzer Fahrt an einem netten Plätzchen am See...
2. Tag Deutschland - Slowakei
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... und nehme am nächsten Morgen auch gleich mal ein erfrischendes Bad ...
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... in herbstlicher Stimmung.
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Und los geht es Richtung Halle (Saale), mal eben fix die praktische Ausbildereignungsprüfung hinter mich bringen und dann gegen Mittag weiter nach Tschechien und durch die Slowakei ...
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... irgendwann nachts, nach etwas mehr als 1000km, einen altbekannten Schlafplatz aufsuchen, zwischen den Sitzen nach hinten durchrutschen, einschlafen ...
3. Tag Slowakei - Ukraine - Rumänien
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... aufwachen am größten Stausee der Slowakei "Zemplínska šírava" bei Hnojné, 25 km vor der ukrainischen Grenze mit Blick auf die Karpaten.
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Es geht früh los Richtung Ukraine. Wie immer ist nix los an der EU- und Nato-Grenze, den meisten soll es da drüben zu gefährlich sein, hab ich gehört.
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Mit dem bekannten Muttizettel ...
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... und ausreichend Stempeln (3) drauf ...
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... zack stehe ich 20 Minuten später auf urkrainischem Grund, wirkt doch recht friedlich hier und schick ist es auch. Wer kann, hat seinen Wohnsitz hierher direkt an die Grenze bei Uschgorod verlegt. Ob es hier sicherer ist wird sich noch zeigen.
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Es geht quer durchs Hinterland ...
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... auf üblen Pisten ...
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... die innerorts auch nicht besser sind.
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Über Brücken, die anderenorts schon gesperrt worden wären.
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Ab und an gibt es auch mal gut Unterbodenkontakt, da musste halt durch.
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Und Borderhopping goes on. Zwischendurch gabs ne kleine aber nette militärische Kontrolle am Dreiländereck Ungarn, Slowakei, Ukraine. Machen die hier in Grenznähe ganz gerne mal, damit denen die Kerle nicht abhauen, die an der Front vielleicht noch gebraucht werden könnten. Mit nem deutschen Pass hat man also nichts zu befürchten.
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Nochmal Muttizettel ...
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... mit insgesamt 4 Stempeln. Warum das an jedem Grenzübergang anders gehandhabt wird, keine Ahnung. Vielleicht dient es einfach nur der Verwirrung oder ist aus eben jener entstanden. Es gibt schlichtweg kein einheitliches System in der Ukraine und an jedem Grenzübergang hat man das Gefühl, dass alles eher unkoordiniert abläuft. Ob du alle Stempel hast, erfährst du auf jeden Fall an der letzten Schranke, wo es dann auch mal rückwärts geht, um noch einen Stempel abzuholen. Hier war es der mit dem "K". Dann gings aber wieder vorwärts nach Rumänien.
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Erster rumänischer Stop am Peștera Grădina Zmeilor.
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Wo immer es geht, hissen die Rumänen ihre Flagge, sie sind stolz auf ihr Land.
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Der Zustand der Treppen passt schon mal gut zum Zustand der Straßen, auf denen ich hierher gekommen bin.
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Weiter gehts dann aber auf recht modernen Untergründen etwas zügiger Richtung Transalpina (DN67C),...
4. Tag Transalpina - Schwarzmeerküste
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welche am nächsten Tag nach unspektakulärer Nacht direkt vorbei am gut gefüllten Stausee Lacul Oașa führt.
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In mächtig steilen, dicht an dicht liegenden Serpentinen quäle ich mich zuerst an einem Durchfahrtverbotsschild vorbei und dann das Gefährt den Pass hinauf. Hier gilt, würg die Karre nicht ab, halte nicht an, Anfahren am Berg lässt die Kupplung schmelzen. Es fordert meine volle Konzentration, weshalb es erst auf 1800m wieder ein Foto gibt.
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Angekommen im Winter, der in diesem Jahr einen ganzen Monat früher Einzug gehalten hat als üblich. Was für ein Glück, dass ich später losgekommen bin.
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Hier in einem kleinen Tal kann ich noch mal halten, frische Luft schnappen und schon mal erahnen was mich noch erwartet. Zugegeben mit Blick nach links oben, kann man schon mal das Gefühl bekommen nicht ganz dicht im Kopf zu sein bei diesem Wetter da hoch zu wollen, zumal einem hier absolut niemand aus der anderen Richtung entgegen kommt. Der Wind ist eisig und er meint es ernst. Die Straße ist steil, teilweise verweht und mit Eis überzogen...
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Aber naja, wenn ich schon mal hier bin ziehe ich es auch durch, den mit 2145 m höchsten Punkt "Pasul Urdele" der Transalpina zu überqueren. Aussteigen lasse ich hier leiber sein. Nicht, dass ich es nicht versucht hätte, aber 90 km/h Wind von der Seite haben es tatsächlich unmöglich gemacht. Noch vor einer Woche war die Straße hier schon einmal auf Grund von Schneeverwehungen unpassierbar. Das erfahre ich aber erst Tage später in einem rumänischen Tante Emma Laden beim Smaltalk. Manche Dinge will ich vorher auch einfach nicht wissen.
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Runter gehts erst langsam wegen Eis auf der Fahrbahn, ganz ungünstig auf ner Serpentinenstrecke. Dann etwas entspannter mit herrlichem Blick auf das Făgăraș Gebirge.
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Ah ja, von der Seite ist die Straße auch gesperrt. Mir steht das Schild ja zu weit rechts und die Karre passt da auch durch. Irgendwo rumfahren wo man nicht darf oder sollte ist eh so eine Art Hobby von mir. Also, das Schild muss schon so platziert sein, dass es mich an der Durchfahrt hindert, sonst wird es ignoriert. Und man kommt sehr wohl über den Pass, wie man sehen kann...
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Dann gibt es noch einmal bei bestem Sonnenschein einen Rückblick zum Pasul Urdele und rechts daneben auf den 2337m hohen Mohoru.
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Und tatsächlich hat eine der Buden bei dieser Eiseskälte von -7 °C göffnet. Der griesgrämige Bursche kann übrigens auch lachen, wenn man mit ein paar Scheinen winkt um anzudeuten, dass man etwas von dem wirklich leckeren Käse kaufen möchte. Unterhaltung in Englisch kann ich hier in den Bergen aber vergessen, naja er schneidet hier und da was ab, lässt mich probieren und dann gibts ein paar 500g Stücke in eine Tüte. Über Preise haben wir nicht gesprochen, er nimmt aus meiner Hand was er dafür haben will. Ich gönne es ihm, als sein wahrscheinlich einziger Kunde heute.
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Da soll nochmal einer sagen im Oktober wärs hier nicht mehr so schön. Okay nachts im Schafsack schwitze ich selten bis gar nicht.
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Tagsüber gibts sonnige und windgeschützte Plätze mit leckerem Käsebrot, die ich mir gut merke fürs nächste mal. Hier sogar mit Trinkwasserbrunnen, also nehme ich an. Das Wasser hatte zumindest keine Wirkung auf meinen Körper.
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Und endlich gibts wieder wenig vertrauenerweckende Brücken, schön schmal und mit unvollständigem Geländer. Ganz mein Geschmack.
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Auf der anderen Seite wittere ich eine Möglichkeit mich festzufahren, na dann mal rein ins Flussbett.
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Fester Untergrund macht es weniger spektakulär, aber dafür umso schöner für ein letztes entspanntes Päuschen in der kleinen Walachei.
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Bei Băbeni geht es hinüber in die große Walachei, deren Grenze zur kleinen Walachei durch den Fluss Olt gebildet wird.
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In Richtung Bukarest gibt es zur besten Feierabendzeit einen schönen Stau zur Entschleunigung von Körper, Geist und Fahrzeug.
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An der richtigen Stelle abgebogen führt die Piste wieder weg von der Hauptstadt ...
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... über ein paar per PayPal bezahlbare...
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... mautpflichtige Donau-Brücken. Ich finde die Konstuktion ist es Wert.
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Und weiter im sich ankündigenden Sonnenuntergang Richtung Schwarzmeerküste ...
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... bis zu einem tatsächlich ziemlich geheimen Lost Place, einem niemals in Betrieb gegangenen Gezeitenkraftwerk. Wer nicht mutig durch ein paar Büsche fährt und sich den Lack mit ein paar Kratzern verzieren lässt, kommt hier nicht her. Damit es noch lange so geheim bleibt, gibt es hier keine Info wo es sich befindet. Wen es interesiert der kann ja beim nächsten mal mitkommen.
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Hier lässt sich der Sonnenuntergang perfekt und in Einsamkeit genießen,
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mit ner leckeren Gartenlimo und einem Dosenessen im Abendrot ...
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endet der Tag. Und wie es so ist, je dunkler die Nacht umso lauter die Stadt. Also gehts des Nächtens noch raus ...
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... aufs Land ...
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... rein in die Natur.
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Bis die Vorderachse fast im Wasser steht. Es geht nicht weiter, okay Schlafplatz erreicht.
5. Tag Schwarzmeerküste - Schlammvulkane - Transfăgărășan
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Morgens zeigt sich mal wieder, die schönsten Plätze findet man nachts und ist morgens ...
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rundum von Wasser umgeben.
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Hier lang geht es im Sommer bis direkt ans schwarze Meer.
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Da lang wieder raus aus dem Gelände ...
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in das ich tagsüber wohl nicht gefahren wäre, oder vielleicht doch.
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Zumindest habe ich dieses Schild hier in der Dunkelheit verpasst und damit eine schöne verbotene Nacht incl. Frühstück im Donaudelta verbracht.
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Ans schwarze Meer will ich dann aber doch noch irgendwie gelangen.
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Geschafft! Ich stehe am wohl wildesten naturbelassensten Strand Rumäniens,
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der komplett mit Muscheln übersäht ist und nehme erst einmal ein schönes kühles Bad.
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Da drüben liegt in 1094 km Entfernung Batumi in Georgien, wo die Menschen für einen EU-Beitritt kämpfen.
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Da in 227 km Entfernung ist Krieg, bei Satoka, in der Ukraine, wo ich unterm Tankstellendach eine Luftalarmnacht verbracht habe.
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In diser Richtung ist Frieden !
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Den ich hier auch in mir spüren kann.
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Es geht auf dem Rückweg durch die unendlichen Weiten des Donaudeltas,
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vorbei an Industrieruinen vergangener Tage. Hier hat mich gestern die Dunkelheit davor bewahrt umzudrehen, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Die schönsten Plätze liegen eben manchmal hinter den eher übleren verborgen.
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Auf teils zivilisierten,
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teils Freiheit verkündenden Pisten geht es
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durch teils verlassene
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der Natur überlassene Dörfer.
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Die Wege werden schmaler, steiniger und unwegsamer.
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Auch das ist Rumänien, Müll der wild in der Gegend runmliegt, weil niemand weiß wohin damit.
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Über endlose Schotterpisten, bergab
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bergauf
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erreiche ich irgendwann die Donaubrücke bei Giurgeni, hier wird noch ganz klassisch mit Bargeld an der Schranke die Maut bezahlt. Wer hier wohnt macht das irgendwie anders. Ein bärtiger alter Mann steht mit einem Schreibblock an der Schranke und winkt den ein oder anderen durch ohne ihm vorher etwas abzuknöpfen.
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Und nochmal rüber,
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über die weit verzweigte Donau.
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Vorbei an Pferdekarren
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durch sowjetische angehauchte Straßenzüge
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mit monumental platzierten Kampfflugzeugen
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fahre ich in einer abermals vollkommen anders wirkenden Landschaft
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in die sich die Schlammvulkane von Berca einbetten. Es ist spät am Nachmittag, spät im Jahr und so bin ich hier vollkommen allein. Einzig ein bärtiger alter Mann sitzt gemeinsam mit seinem Hund an der Kasse und knöpft mir den Eintritt ab. Auf meine Frage ob ich im naheliegenden Restaurant heute noch was zu essen bekommen kann, erwiedert er, sich darum zu kümmern, dass die Damen solange geöffnet lassen. Na bitte, sie warten nur auf mich, versuch das mal in Deutschland.
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Es folgen nun wenig Text und viele Bilder, die für sich sprechen. Hier zwischen den Schlammvulkanen ist es, als wäre ich auf einem anderen Planeten.
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Der Modder ist übrigens weder besonders heiß noch stinkt er, es ist tatsächlich einfach nur trister Schlamm.
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Im Restaurant hatte ich eigentlich erwartet irgendwas zu bekommen was noch vom Tag übrig ist. Aber nein, auch wenn ich hier ganz alleine bin, habe ich freie Auswahl von der Karte. Es gibt Hähnchen mit Pommes und Salat, alles auf rumänisch, deftig, kross, irgendwie derb, ursprünglich und passend zur Einrichtung des Restaurants. Es passt alles zusammen und es fehlt an nichts. Und dann fühl ich mich mittendrin in Rumänien.
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Das hier gibts einfach so dazu, sone Art Eierkuchen-Crepe mit Konfitüre gefüllt, es fühlt sich wie ein Danke an. Die Damen sind nicht sauer, dass sie wegen mir warten mussten. Sie sind dankbar, dass ich hier war. Und ich bin es auch, für das einfache und menschliche was hier wohl den größten Wert hat.
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Ein zwei Blicke noch Richtung Sonnenuntergang über den Schlammvulkanen,
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schon gehts durch die hereinbrechende Nacht,
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auf einsamen Pisten,
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über beleuchtete Autobahnen zurück Richtung Făgăraș Gebirge bis zum Anfang der Transfăgărășan,
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der sich nach einem von Müdigkeit umhüllten Blick ins Internet eher zu sowas wie einem Ende verformt. Tja, manchmal kommt man eben genau einen Tag zu spät, oder der Winter etwas zu früh. Ich einige mich mit mir selbst darauf, dass beides seinen Anteil daran hat und krauche in den Schlafsack, irgendwo am Straßenrand. Macht aber nix, laut wirds jedenfalls nicht, weil ja niemand mehr den Berg hinauf fahren kann. Also hab ich doch irgendwie Glück gerhabt.
6. Tag Transfăgărășan
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Kaum dämmert es am nächsten Morgen beschließe ich frisch motiviert,
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einfach mal soweit hinauf zu fahren wie es geht.
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Ich lasse mich dann doch dieses mal eher vom Durchfahrtsverbotschild inspirieren als von der Lücke durch die ich trotzdem fahren könnte. Da oben gibts ne Menge Schnee, die mich ohnehin nicht zum höchsten Gipfel Rumäniens, dem Modolveanu, gelangen lassen würde.Also habe ich Zeit gewonnen,
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wieder hinab zu fahren, vorbei an Warnschildern vor Bären, die wohl schon im Winterschalf sind.
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Gesehen habe ich entlang der Strecke zumindest nicht einen einzigen der hier lebenden Braunbären.
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Dafür gab es herrliche herbstliche Wälder.
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Und den weniger gut gefüllten Lacul Vidraru Stausee.
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Etwas Sehnsucht nach abenteuerlicheren Strecken, lässt mich durch diesen Tunnel abseits der Hauptroute fahren und es bestätigt sich wieder einmal, da wo es scheinbar nicht ratsam ist langzufahren gibts die schönsten Plätze
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und Aussichten,
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die schlechtesten und schmalsten Straßen,
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die fragwürdigsten Brücken, das Teil sieht auf dem Foto besser aus als es tatsächlich war.
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Aber nen schönen Blick hatte ich schon von der Brücke aus.
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Und ann wurde es gemütlich in den herbstlichen Buchenwäldern.
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Da ließ sich auch ein halbwegs sonniger Platz ...
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für ein Frühstück bei -4C finden. Kaffee kochen macht immer so richtig Freude bei den Temperaturen, es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis das Wasser endlich heiß genug ist.
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Anschließend geht es weiter,
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immer schön dicht am Abgrund
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auf rumpeligen Wegen bis es
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zwischendurch auch mal etwas ebener wird.
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Zuverlässiger wirkende Brücken gibt es hier dann auch mal.
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Bis die Ursprünglichkeit mich in entlegenen Dörfern dann doch wieder einholt.
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Raus aus dem Ort wirds auch nicht besser, es geht buschwärts abwärts,
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vorbei an Seen, einmal auf die andere Seite des Făgăraș Gebirges, an den anderen Anfang der Transfăgărășan.
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bis der Blick erneut auf das Făgăraș Gebirge fällt und die Hoffnung weckt wenigstens mit der Seilbahn bis zum Lacul Bâlea zu gelangen.
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Die Berge türmen sich mächtig auf, hier in den Südkarpaten liegen die höchsten Gipfel Rumäniens.
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Hoch gehts eher gemächlich,
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fast schon seicht,
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sich nach oben schlängelnd,
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zumindest bis zur Seilbahn, die natürlich nicht in Betrieb ist, weil die Straße üblicherweise berst ab 1. November gesperrt ist und gerade noch eine große Wartung an der Seilbahn in vollem Gange ist.
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Was bleibt ist ein Fussmarsch zum nahegelegenen Wasserfall.
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Immer dem Fluss folgend,
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über vereiste Wege,
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hoch hinaus. Wandern ist anders, es geht schon eher in klettern über.
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Aber es lohnt sich wirklich die Mühe auf sich zu nehmen.
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Und wieder abwärts
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mit Bächen auf den Wegen.
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Hier wäre es dann vorgestern noch mit dem Auto nach oben gegangen, heute weder damit noch per Seilbahn. Ich betrachte es einfach mal als Einladung im nächsten Jahr noch einmal wieder zu kommen und etwas mehr Zeit für die Besteigung des Moldoveanu bei besseren Bedingungen zu haben.
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Und abwärts geht es,
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bis zu einem Platz mit schönem Bergpanorama,
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im Sonnenuntergang beim Abendessen.
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Den Modoveanu schon nicht im Sinn, fahre ich nachts durch von Kaminrauch verqualmte Orte. Das ist wirklich krass, es stinkt in allen Dörfern so heftig, muss man erlebt haben. Richtung Moldawien strande ich irgendwo an einem Platz zum Schlafen und freue mich auf einen noch offenen Gipfel im ärmsten Land der EU. Der ist nämlich im vergangenen Jahr offen geblieben und hat mich zu einem erneuten Besuch herausgefordert. Merke, lass immer einen Gipfel offen, damit Du einen Grund hast nochmal wiederzukommen.
7. Tag Rumänien - Moldawien - Rumänien
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Es dämmert, ich will los, der Dealul Bălănești ruft.
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Unterwegs gibt es herrlichsten Nebel, das liebe ich so am Herbst, dieser Nebel im Sonnenaufgang.
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Solche Brunnen gibts hier in Rumänien überall, allerdings nicht immer so schick wie dieser. Tatsächlich gibt es eine Wasserversorgung auf dem Land sehr oft noch ausschließlich aus Brunnen.
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Der Himmel hüllt sich in morgendliches Gold, was für ein Start in den Tag.
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Und zack bin ich an der moldawischen Grenze angekommen.
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Befürchten muss ich hier nichts, die Moldawier sind freundliche Menschen und machen auch hier an der Grenze einen guten und notwendigen Job.
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Zeit für ein Frühstück in der wärmenden Sonne, ich bin schon ein paar Stunden unterwegs.
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Auf den moldawischen Strecken bewegt man sich besser gestärkt,
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der Kopf braucht ganz schön Energie, um sich hier durchzukämpfen.
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Das Gefährt übrigens auch. Hier geht es dann aber doch mal alternativ nach rechts auf die Ausweichroute. Es ist kein Radlader in Sichtweite.
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Hier frage ich mich allerdings was schlimmer ist, diese endlose Grobschotterpiste, auf der sich jede Schraube von selbst löst oder sich durch den Schlamm wühlen.
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Dann gibt es auch mal etwas Wasser am Wegrand, eher unüblich für Moldawien. Hier ist es üblicherweise immer sehr trocken und die Wasserlöcher sind eher Schlammlöcher, aber es ist Spätherbst und offenbar gab es etwas Regen in letzter Zeit.
Im kleinen Ort Bălănești, halte ich kurz an und Frage zwei Damen nach dem Weg zum höchsten Berg Moldawiens, worauf Rodica sich auf meinen Beifahrersitz schwingt und mir anbietet mich auf den Berg zu begleiten. Das ist Moldawien, die sind hier einfach so, so nett und gastfreundlich und sie haben immer Zeit.
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Und dann, nach einer recht wilden Fahrt stehen wir oben auf dem 429m hohen Gipfel des Dealul Bălănești. Keiner von den krassen Everest-Typen war jemals hier oben und hat diese Stille erlebt. Außerdem, fahr doch mal mit dem Auto auf den Everest... Ich wäre ohne Rodica übrigens niemals bis hier hoch gefahren. Unterwegs war es so steil und sandig, dass wir uns praktisch mit durchdrehenden Rädern und knirschendem Fahrwerk den Berg hinaufgewühlt haben und hätte Rodica nicht immer wieder gesagt, dass wir das schon schaffen, hätte ich vermutlich den Rückweg genommen und wäre zu Fuß hier hoch. Aber es geht tatsächlich, reine Nervensache. Naja und man darf nicht so am Gefährt hängen oder zumindest sollte man daran glauben, dass es so einiges aushält. Also egal was ihr irgendwo lest, von wegen man kann hier nicht hochfahren und so..... Tut es einfach trotzdem.
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Für die Aussicht lohnt es sich allemal.
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Mhh, den hier hab ich gestern in Rumänien verpasst, der ist dann nächstes Jahr dran.
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Der hier liegt auf dem Heimweg in der Ukraine und den verpasse ich nicht !
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Und wieder runter,
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ist tatsächlich etwas entspannter.
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Rodica nimmt mich noch mit in einen typisch moldawischen Dorfladen und lädt mich dort auf ein echt moldawisches Essen ein. Mit Reis gefüllte Kohlblätter, dazu Weißbrot, von dem sich jeder einen Brocken abreißt und eine grobe Wurst dazu, alles rustikal auf der Kühltruhe des Ladens. Wir quatschen über uns, Rodica hat einen deutschen Ehemann mit dem sie in der Hauptstadt Chișinău wohnt. Sie besucht hier im Dorf gerade ihre Eltern. Wir quatschen über Politik und übers Leben hier auf dem Land. Es kommt immer mal einer in den Laden und schreibt irgendwas in ein Buch, im Laden gibts nur das nötigste. Wer etwas besonderes braucht schreibt es ins Buch und es wird dann irgendwann besorgt und man kann es hier abholen. Alles entspannt, Warten und Geduld können die Moldawier, weil sie es müssen und es stört niemanden. Wirkt sympatisch auf mich, wenn ich ehrlich bin. Rodica pack mir alles was vom Essen übrig ist ein, bezahlt und bedankt sich bei mir. Einfach wunderbar. Wir tauschen noch Telefonnummern aus, für den Fall, dass ich mal in die Hauptstadt komme, soll ich sie unbedingt anrufen. Tja, dann werd ich wohl nochmal wiederkommen müssen.....
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Für mich geht es erstmal weiter wieder Richtung Rumänien,
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mit einem kurzen Zwischenstop in Fălești, um eine kaputt gegangene Haarklemme, die ich letztes Jahr hier gekauft habe, für mein jüngste Tochter noch schnell neu zu kaufen. Naja, mitgenommen habe ich dann ein paar mehr, als nur eine.
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Und da sind sie wieder die moldawischen von Wallnussbäumen gesäumten Rumpelalleen auf denen man die 80 km/h nicht überschreiten sollte um auf der Fahrbahn zu bleiben.
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Da drüben ist Rumänien.
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Es geht zum Grenzübergang Costești.
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Für einen Euro kann ich hier einen Staudamm überqueren, um nach Rumänien zu gelangen.
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Irgendwo unweit von Siret holt mich die Müdigkeit ein und so nächtige ich kurz vor der ukrainischen Grenze am Straßenrand in einem kleinen Dorf. Nach einem schöneren Platz zu suchen lohnt nicht wirklich, ich werde in der Morgendämmerung schon wieder aufbrechen.
8. Tag Rumänien - Ukraine - Howerla
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Bevor das erste Morgenrot zu sehen ist, habe ich die ukrainische Grenze dann auch schon hinter mir gelassen. Das war tatsächlich sehr entspannt und wenig spektakulär. Ich musste nicht einmal aussteigen bei den Ukrainern, geschweige denn eine Tür öffnen. Muttizettel gab es auch nicht, ist eben jedes mal anders. So früh morgens haben sie wohl auch noch wenig Motivation.
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Schon bald geht es über nationalfarbene Brücken,
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und Schotterpisten durch Flusstäler weiter grob in Richtung Ivano-Frankivsk.
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Passende Fahrzeuge kann man hier direkt am Straßenrand käuflich erwerben.
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In den ukrainischen Karpaten sind die Straßen dann doch von recht guter Qualität.
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Zeit für Frühstück ...
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und ein bisschen Beine vertreten nach 5 Stunden Fahrt.
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Nach einer weiteren Stunde in Schrittgeschwindigkeit über eine unbefestigte Schlaglochstrecke habe ich den Eingang zum Nationalpark Karpaten (Карпатський національний природний парк) erreicht. Hier kann man es auch mit dem Auto wagen noch einige Kilometer zum Hoverla zu fahren. Ich brauche Bewegung und lasse das Auto zurück. Für 2,70 Euro, mit Karte bezahlt, bekomme ich Zugang zum Nationalpark und starte auf 898m Höhe.
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Zuerst sind die Wege noch recht passabel.
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Die Sonne macht auch gute Laune.
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Je weiter es nach oben geht um so schwieriger wird die Straße, den sich quälenden Autos zuschauend bin ich ein bisschen froh zu Fuss gegangen zu sein. Teilweise ist es schon ganz schön heftig. Und ich kann definitiv die Landschaft besser genießen. Am Horizont zeigt sich der Hoverla schon einmal.
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Und hier ab 1250m geht es dann ohnehin nur noch unmotorisiert weiter.
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Durch kleine Bäche,
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schnell steiler werdend durch dichte Wälder nach oben.
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Auf knapp 1400m gibt es noch eine letzte Sitzmöglichkeit zum Pausieren. Ein paar Leutchen habe ich schon überholt und nicht jeden werde ich auf dem Gipfel wiedersehen.
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Von 1600m gibt es einen tollen Blick über die ukrainischen Karpaten...
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und auf den Hoverla, der langsam näher kommt.
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Unterwegs treffe ich ein junges Paar aus Charkiw, sie sind dort abgehauen, wo gestern 50 Kinder umgekommen sind, weil Krieg einfach Scheiße ist.
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Die Baumgrenze ist erreicht und dann
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ist ein recht steiles Stück auch bald geschafft. Wandern war das hier nicht mehr und einige brechen den Aufstieg an dieser Stelle ab. Ich gehe 5 Minuten und mache 10 Minuten Pause, umdrehen kommt nicht in Frage.
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Auf 1800m haben die Ukrainer ihrem Nationalstolz ein Zeichen gesetzt. Es kommt Schnee in Sicht.
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So nah der Gipfel auch schien, so weit wird der Weg in der dünner werdenden Luft.
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Es geht entweder durch fest gefrorenen Schnee oder durch Matsch, die Schritte fallen schwerer.
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Dann bin ich von Nebel umschlossen, der nicht dazu beirägt mich gut orientieren zu können. Der Wind ist mittlerweile auch kalt und unerbittlich geworden.
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Der Berg wehrt sich, ich lege Schneeketten an. Ohne könnte es auf den letzten Metern schwierig werden.
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Und angekommen nach 3h ,12 km Strecke auf 2061m. Das Dach der Ukraine, der Hoverla.
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Der Gipfel hüllt sich in dichten Nebel, lange hierbleiben ist bei der eisigen Kälte nicht sinnvoll.
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Hier oben ist Frieden und dennoch alles voller Krieg,
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mit Gräbern gefallener Soldaten, die auch tote Männer und Väter sind.
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Dreimal ums Gipfelkreuz gelaufen ist man gut beraten sich gemerkt zu haben wo es wieder runter geht. Im dichten Nebel ist das fast nicht zu erkennen.
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Die Schneeketten werden zu Schlammketten und machen den Abstieg deutlich einfacher, zumindest was die Bodenhaftung angeht.
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Und wieder unten, die Schlammketten vom Lem befreien.
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Auch in der Ukraine darf das Touristenshopping nicht fehlen, zumindest gibts hier ne Menge essbares aus regionaler Herstellung. Ich packe etwas Käse und Süße Aufstriche ein und bezahle mit Karte, ja das geht hier oben, da sind sie echt fortschrittlich.
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und weiter geht es zurück ins Tal. Den ganzen Weg alufen brauche ich nicht, unterwegs sammelt mich Jakoyo mit seinem Geländewagen auf und ballert mit mir die Straße hinunter. Offenbar kennt er hier jedes Schlagloch.
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Und so bin ich nach 5h wieder am Auto angekommen, 24km und 2326 Höhenmeter liegen hinter mir. Ich bin ganz schön kaputt
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und froh mal etwas zu sitzen, während ich Richtung ukrainisch-rumänische Grenze in die Dämmerung hineinfahre, ein paar nächtliche Checkpoints hinter mich bringe und
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direkt am, mit Nato-Draht gesicherten Grenzzaun entlang, Kurs auf Xust gesetzt habe.
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Irgendwo findet sich ein größerer Platz direkt an der Strecke unweit der Grenze zu Rumänien, hier mache ich es mir gemütlich. Der Platz ist bestens geeignet für ein Frühstück und eine morgendliche Dusche.
9. Tag Ukraine - Slowakei
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Und weiter geht es am nächsten Morgen direkt an jenem Flussbett vorbei, aus dem mich ein paar freundliche Ukrainer auf der letzten Tour mit nem Radlader befreit haben.
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Ich bevorzuge es heute auf den gut asphaltierten Straßen zu bleiben, um zügig voran zu kommen.
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Zwischendurch mache ich noch einmal Bekanntschaft mit der ukrainischen Polizei, die mich einer Alkoholkontrolle unterziehen möchte. Junge, junge denke ich mir, da bin ich fast raus aus dem Land und dann kommen die wieder mit ihrer Korruption angeschissen. Der Jungcop fragt mich mehrfach ob ich was getrunken habe, ich soll aussteigen, mitkommen..... Die Nummer kenne ich ja schon, also stelle ich gleich klar, dass ich nur mitkommen werde, wenn er mir nen Bluttest anbieten kann, ansonsten bin ich nicht bereit. Er rollt mit den Augen, fragt nochmal ob ich was getrunken habe und bekommt wieder ein nein. Dann lässt er mich fahren. Na bitte, hab einen Standpunkt und weich nicht davon ab, dann lassen die Jungs dich auch in Ruhe.
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Schon bald habe ich Uschgorod erreicht mit
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recht hübschen Häuschen direkt am Grenzübergang zur Slowakei. Und hier wird die Zeit lang, sehr lang.
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Nach 8h Wartezeit, in der es nur stockend voran ging, habe ich meinen Muttizettel vollständig. Aber es war amüsant, denn von der Ukraine in die Slowakei gibt es einige Hürden zu nehmen. Bei den Ukrainern wars erst einmal lustig. Bei der Passkontrolle schaut der Beamte zuerst missmutig in mein Dokument, dann guckt er mich missmutig an. ich spüre schon den Schelm in mir und haue ein "Its me" raus, der Ukrainer erwiedert ein "I see" und lächelt. Na bitte bei dem ganzen Mist ist ihm der Humor zumindest nicht abhanden gekommen.
Bei den Slowaken wird es nochmal richtig kribbelig. Das Einführen von frischen Lebensmitteln aus der Ukraine in die EU ist nämlich verboten. In meiner Schlange macht eine junge Dame die Kontrolle und vor mir dürfen schon mal ein paar ukrainische Damen ein paar Kilo Äpfel rückwärts in eine ukrainische Mülltonne befödern. Ja sie müssen das Zeug tatsächlich zurück auf ukrainisches Staatsgebiet bringen. Mein Kopf macht Inventur, in der Kühlbox sind Wurst aus Moldawien, Wurst und Käse aus Rumänien, Käse aus der Ukraine.... Das Zeug muss irgendwie mit, also schon mal Blickkontakt zu der jungen Grenzerin aufnehmen, Sympathie aufbauen....und ihr erklären, das alles hätte ich in Rumänien und damit in der EU gekauft und offensiv sein, nichts verheimlichen. Als ich an der Reihe bin öffne ich zuerst die Kühlbox und gebe meine Erklärung ab, sie glaubt mir. Na bitte, der Plan war gut. Und weil ich so offensiv war, will sie den Rest des Gefährts auch nicht weiter durchsuchen. Als Ukrainer musst Du hier alles ausräumen ...
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Geschafft, wieder Nato- und EU-Boden unter den Rädern.
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Die meiste Zeit des Tages habe ich an der Grenze verbracht,
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Zeit für eine Pause, die Sonne zaubert ein wunderbaren Himmel.
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Ich bin hungrig und müde,
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fahre noch bis die Sonne ganz untergegangen ist und übernachte zwischen ner Menge Truckern irgendwo an der Strecke Richtung Tschechien.
10. Tag Slowakei - Tschechei - Deutschland
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Noch in der Dunkelheit bin ich morgens schon wieder auf Tour, bis ein kurzer Sonnenaufgang mich zu einem Frühstück einlädt
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bevor Wolken den Himmel
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in ein einheitliches Grau verwandeln und ich mich auf die letzte Etappe gen Heimat aufmache.
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Kurzer bekannter Check vom deutschen Zoll, der im Grunde nur eine kameraüberwachte Durchfahrt ist.
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Und über die Elbe... Zu Hause angekommen. Wieder einmal gilt.....
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10 Tage - 6 Länder - 5350 km - 330 Liter Diesel - ne Menge tolle Menschen - viel Frieden - ein bisschen Krieg